Ich habe
kürzlich in dem Blog eines lieben Freundes (http://doctorhilarius.blogspot.de/ - sehr empfehlenswert) sehr interessante Aspekte zum Thema
glücklich sein und zum Thema "eigentlich müsste ich…" gelesen und
habe mir mal meine eigenen Gedanken dazu gemacht.
Ich beobachte,
nicht nur an mir sondern auch an vielen Menschen in meinem Umfeld, dass viele
Sätze mit "Eigentlich", oder schlimmer "eigentlich müsste
ich", begonnen werden. Dieses Wort oder diese Wortkette stellen sofort
klar, dass etwas nicht läuft. Nicht so läuft, wie man es gerne hätte.
Eigentlich
müsste ich viel mehr Bewerbungen schreiben.
Heißt, ich
bewerbe mich, in meinen Augen, nicht genug. Aber sind das wirklich "meine
Augen" oder nicht vielleicht die Augen unsichtbarer Nebenakteure, von
denen ich mir einbilde, dass sie mich den ganzen Tag beobachten, mich bewerten
und beurteilen? Diese Nebenakteure sind die Gesellschaft. Eine Gesellschaft,
die erwartet, dass ich am besten schon im Kindergarten weiß, was ich werden
will. Und zwar ganz konkret. Und das habe ich dann auch bitte durchzuziehen. Schule,
Studium oder Ausbildung, und ab ins Berufsleben.
Tja, das
funktioniert leider nicht. Ich weiß nicht, was ich im Kindergarten werden
wollte. Ich weiß, dass ich irgendwann entschieden habe, Schriftstellerin werden
zu wollen ("Schriftsetzerin" nannte ich es da ^^). Die Idee finde ich
bis heute auch gut und werde sie auf jeden Fall im Kopf behalten, also einen
Dank an die kleine Emma.
In der Schulzeit
wollte ich so einiges werden. Jedenfalls erinnere ich mich nicht an einen
konkreten Plan den ich hatte. In der Oberstufe habe ich dann irgendwann
entschieden, Lehrerin werden zu wollen. Also habe ich Lehramt studiert. Bis zum
Bachelor, dann war Schluss. Denn plötzlich stellte sich mir die Frage, warum
ich denn Lehrerin sein wollte und vor mir fuhr ein Film ab, in dem ich Jahr für
Jahr immer den gleichen Rotz unterrichten müsste.**
Also tschüss
Lehramt, hallo Welt der unbegrenzten begrenzten Möglichkeiten der
Geisteswissenschaft. Ich werde jetzt gar nicht zu tief in die Problematik der
Jobfindung eines/einer Geisteswissenschaftlers/*in gehen, das würde hier zu
weit führen. Nur eins: ja, es ist nicht einfach. Aber das ist auch immer
personengebunden.
Und nun sind wir
wieder bei dem "eigentlich müsste ich". Eigentlich müsste ich viel
mehr Bewerbungen schreiben. Eigentlich müsste ich tagtäglich sämtliche
Internetseiten abklappern, denn eigentlich müsste ich doch so schnell wie
möglich was an meiner momentanen Situation ändern. Und da kommen wir zum
Sahnehäubchen des "eigentlich müsste ich":
"Eigentlich
müsstest DU doch…"
Wunderbar. Es
ist ja nicht genug, dass man sich selber tagtäglich mit dem "eigentlich
müsste ich" auseinandersetzt, nein, dann kommt manchmal von außerhalb so
ein Satz angeflogen. Ich finde diesen Satz furchtbar. Gleichzeitig bin ich mir
sicher, dass ich ihn auch schon benutzt habe und das macht es nicht besser. "Eigentlich
müsstest Du doch" soll wahrscheinlich als Motivator agieren. Der Gedanke
der mir da kommt ist der folgende: Wenn ich nun regelmäßig diesen Satz mir
gegenüber äußerte und dazu noch andere ihn mir gegenüber äußerten, dann bin ich
plötzlich so motiviert, etwas an meiner misslichen Lage zu ändern, dass ich es auch
tatsächlich tue und schaffe.
Zur Zeit ist
dies aber nicht der Fall. Und dazu schaut man sich das Symptom des Satzes an:
"Eigentlich müsste/st ich/Du" sagt, da läuft was schief, du bist
unglücklich.
Das bin ich aber
nicht. Ich bin, und das kann ich tatsächlich so sagen: glücklich.
Die Wurzel des
Glücklichseins befindet sich bei mir nicht darin, was ich mache, sondern wer
oder was und wie ich bin. Und auch wenn die Suche nach dem Ich eine
unaufhörliche ist, man nie ganz "fertig" sein wird, so kann ich jetzt
für mich nicht sagen, dass ich unglücklich bin.
Ich könnte hier
eine ganze Liste runter rattern mit Dingen, die noch nicht so richtig laufen,
Dingen, die ich gerne ändern würde, aber die haben nichts mit MIR, mit meinem
ICH zu tun. Sie tragen grundsätzlich dazu bei, ja, aber sie beeinflussen weder wie
ich bin, noch wer ich bin.
Um das ganze
jetzt mal abzuschließen: natürlich werde ich mich weiter mit "eigentlich
müsste ich" quälen und natürlich werde ich weiter ab und zu mit dem
"eigentlich müsstest du" konfrontiert werden. Das ist nun mal so. Das
lässt sich nicht abstellen. Wichtig ist dabei, sich immer wieder zwischendurch
zu fragen "wie geht es mir? bin ich glücklich?" - denn dann lässt es
sich mit diesen Sätzen sehr viel leichter umgehen. Zu dem "eigentlich
läuft alles"-Problem kommen wir dann ein anderes Mal ;)
Emma
** Dies ist keine Abwertung an den Lehrerberuf. Ich habe den höchsten Respekt vor Lehrer*innen und bin froh, dass es in dieser furchtbaren Bildungslandschaft noch Leute wie euch gibt, die ihren Job so gut machen! Ich rede hier nun von mir und meinem Empfinden, was weder mit anderen, noch so recht mit zutreffenden Fakten zu tun hat. Es war ja nur eine Vision!
Süße, ich hatte auch Angst, dass ich Jahr für Jahr das Gleiche unterrichte, 30 Jahre lang den AcI - und ich bin ehrlich überrascht, dass es nicht so abläuft ;) Also solltest Du doch irgendwann mal zum Lehramt zurückkehren, kann ich Dir die Angst nehmen. Nur die Berufschancen sind halt gleich Null ^^
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