Freitag, 17. März 2017

Und du fragst mich

Und du fragst mich, warum ich nicht tanze,
und du fragst mich, warum ich nicht singe
warum ich nicht lache, nicht weine,
warum bin ich so still

Und ich höre und höre und denke
Und ich höre und denke und fühle
Fühle mit euch und um euch und für euch
Und trage euch tief durch die Nacht.
Vertreibe die Wolken, umsinge das Meer,
bis es wogt und wiegt euch in den Schlaf.
Und ich singe und singe bis ihr ruht
Und euch dieses Leben nicht mehr quält.

Doch du fragst mich, warum ich nicht tanze,
Du fragst mich, warum ich nicht singe
Warum ich nicht lache, nicht weine
Warum bin ich so still

Und ich fühle und fühle und höre
Bis kein Wort ungesprochen verweilt
Und ich singe, umsinge das Meer,
dass es woge und wiege euch in den Schlaf.
Und ich liege am Strand in der Buchtung
Das Meer verebbt und bleibt still
Meine Lieder verstummen und es bleibt,
die Stille die kein Lied je gehört.

Und du fragst mich warum ich nicht rede,
Warum mich die Stille umgibt
Warum ich nicht singe, nicht tanze
Warum bin ich so still

Und ich kämpfe und kämpfe die Nacht durch
Auf dass kein Böses den Weg zu euch finde
Ich singe, umsinge das Meer
Dass es tobt und das Böse vertreibt
Und ich liege am Strand und verweile
Heut’ ist Zeit, mich zu fragen, wieso
Ich nicht singe, nicht tanze, nicht lache
Und ich weiß, dass ich mich kurz verlor

Und du fragst mich warum ich nicht nein sag’
Warum ich kämpfe und kämpfe
Für and’re und kaum für mich
Warum bin ich so still

Und ich steh ratlos am Ufer des Meeres
Kein Böses wartet in dieser Nacht
Ihr schlaft ruhig in der Wiege des Meeres
Durch den Gesang der Natur, nicht des meines
Und ich frag mich warum ich nicht singe
Und ich merke ich singe schon immer
Das Meer umschmiegt mich und wiegt mich,
bis ich schlaf’ und kein Böses mich quält.

Und du singst mir das Lied des Meeres
Und fragst nicht warum ich nicht singe
Und du weckst mich mit den Winden der Welt

Und du zeigst mir: ich war niemals still.

CE2017

Dienstag, 16. August 2016

Was willst du eigentlich? Oder: Noch 4 Wochen in den Zwanzigern

Emma wird in weniger als einem Monat dreißig. Das lassen wir jetzt mal so stehen.

Nein, natürlich nicht, denn darum geht es ja! Kürzlich sagte mal jemand zu mir "Ich habe gehört, ab da wird's scheiße!" – natürlich war das ein Scherz! Trotzdem: was hat es mit der Dreißig auf sich? Was macht die Dreißig, die 30, die XXX, zu solch einem Lebensereignis? Diese Zahl ist für viele wie ein drohender Vulkanausbruch. Auf Geburtstagseinladungen, -karten und -kuchen wird neckisch und halb verzweifelt lachend eine "29 b" gesetzt. Wirst du ab dem Folgetag deines vermeintlichen Untergangs gefragt wie alt du seiest, lügst du entweder oder flüsterst leise dieses unsägliche Wort – "Dreißig" – Am liebsten würdest du sagen "…und quasi scheintot!", denn jetzt ist alles vorbei.

Aber warum hat die Dreißig all' diese hässlichen Konnotationen an ihrer Seite?
Ich habe mich vor einigen Wochen mal über unsere heutige Gesellschaft ausgelassen – das was sie von uns Individuen verlangt und was das eigentlich mit uns macht – und auch heute muss ich wohl oder übel ein paar Worte dazu verlieren. Ich denke, es wird davon ausgegangen, dass du doch bitte mit dreißig ein komplett fertiger Mensch bist (ich meine fertig im Sinne von komplett, vollständig entwickelt) – eben so, wie die Gesellschaft dich haben will. Übrigens sei der vorhergehenden Klammer noch dazugefügt, dass ich mutwillig das Wort "fertig" benutzt habe – denn wir sind fertig. Viele von uns haben bereits in den Zwanzigern ihr erstes Burnout. Und woran liegt das? Tja… Aber weiter im Text. Wir sollen also alle bitte spätestens in den Zwanzigern voll-entwickelt sein. Das heißt, einen Job haben in dem wir viel verdienen, eine Wohnung oder Haus haben, ein Auto haben, Partner und Kinder haben…. Und das wissen wir schon vorher. Wir wissen, dass es von uns erwartet wird. Und deshalb beginnt kurz nach der Schule plötzlich eine Art Wettlauf mit sich selbst. Und er endet nicht damit, dass man durch eine Zielgerade läuft und alle applaudieren. Nein: denn du hast nicht die Zeit die du brauchst, du hast eine vorgegebene Zeit. Und die Zielgerade – die Dreißig – ist ein Gong. Schaffst du es, alles was von dir verlangt wird, auf der Strecke zusammen zu bekommen, kannst du fröhlich auf den Gong zu rennen, ihn schlagen und weiter machen. Merkst du mit 27/28/29, dass dir noch viele Dinge fehlen, kriegst du Panik. Die Dreißig auf der Zielgeraden verwandelt sich in dein zukünftiges Ich, das dich aus der Entfernung anschreit: "Jetzt MACH schon!!! Du bist bald da und hast NICHTS geschafft! Was machen wir denn wenn du hier bist???"
Nein, ich will da nicht hin, denkst du dir. Ich will nicht. Ich lege mich einfach auf den Boden. Und ich werde so lange an diesem Punkt stehen bleiben, bis ich das habe was ich brauche. Dann kann ich auch Dreißig sein. Ich werde 29 b. 29 c…..

Ist das nicht furchtbar?
Aber, was tun?
Emma ist grundsätzlich nicht dieser Meinung. Sie hat auch die Dreißig nie als diese Hürde gesehen. Und damit ist sie natürlich auch nicht allein.

Emma freut sich, dreißig zu werden. Sie mag die Zahl. Sie misst ihr weniger Bedeutung zu, etwa genau so viel, wie sie eben verdient. Emma weiß, dass sie längst nicht alles, was gesellschaftlich von ihr verlangt wird beziehungsweise was gesellschaftlich anerkannt ist, erreicht hat. Vieles davon WILL sie allerdings auch gar nicht erreichen.

Emma möchte sich vor allem Zeit lassen. Zeit dafür, das Leben zu beobachten, zu erleben und zu genießen. Emma möchte sich mit Menschen umgeben, die ihr gut tun und denen sie gut tut. Sie möchte ihren neuen beruflichen Lebensweg mit Freude betreten und nicht mit Angst oder Druck.

Emma möchte lernen, ehrlich zu sagen was sie denkt und fühlt. Zu oft sagt sie es nicht und vielleicht entging ihr auf diese Weise die eine oder andere Chance. Das ist Emmas größte Aufgabe im neuen Lebensjahr: ehrlich mit sich und anderen sein. Das heißt übrigens nicht, dass Emma lügt. Emma hat nur leider manchmal sehr viel Angst, zu sagen was sie denkt und vor allem zu sagen was sie fühlt.

Emma wünscht sich für die Zukunft einen Komplizen, einen Weggefährten, mit dem sie die Welt entdecken, sich selbst entdecken und ausprobieren kann. Sie möchte wissen, was es da eigentlich noch gibt abgesehen von gesellschaftlichen Zwängen und vermeintlichen Vorschriften. Was ist, wenn man ganz frei liebt?

Und Emma möchte vor allen Dingen Emma sein können. Für sich entscheiden können, was sie möchte, was sie gut findet und was sie will. Denn es ist ja ihr Leben.

Deshalb sei gesagt: Emma hat keine Angst vor der Dreißig. Sie freut sich drauf, wie sie sich auf jeden Geburtstag freut.

Das heißt, sie kann es kaum erwarten.


 Pierre Auguste Renoir - Dance in the Country

Freitag, 8. Juli 2016

Gedanken an die Menschheit und an Mozart

Ich bin ein großer Opern-Fan. Es gibt wenig, was mich so berühren kann, wie diese zauberhafte Musik, die Arien, die Harmonie.

Unlängst hörte ich mir mal wieder die Zauberflöte an und erwische mich dabei, wie ich einer Arie besonders viel Aufmerksamkeit schenkte. Ich hörte sie immer wieder. Das habe ich auch früher schon getan. Nur dieses Mal war es anders. Natürlich hatte ich wie immer einen Kloß im Hals, so ist es meistens wenn ich Opern höre. Aber ich achtete auf den Text. 

Und so widme ich meinen heutigen Eintrag dem großartigen Mozart und präsentiere den Text dieser Arie. Er passt. Zur Situation, zur Gesellschaft... Wir sollten uns darauf besinnen. Wir sollten sie erinnern, diese Arien. Diese Musik. Wir sollten sie schätzen. Denn auch sie transportieren wichtige Botschaften.


In diesen heil'gen Hallen


(W.A.Mozart - Die Zauberflöte, Akt II, Sarastro)


In diesen heil'gen Hallen 

Kennt man die Rache nicht, 
Und ist ein Mensch gefallen, 
Führt Liebe ihn zur Pflicht. 
Dann wandelt er an Freundes Hand 
Vergnügt und froh ins bess're Land. 


Dann wandelt er an Freundes Hand 
Vergnügt und froh ins bess're Land. 



In diesen heil'gen Mauern, 
Wo Mensch den Menschen liebt, 
Kann kein Verräter lauern, 
Weil man dem Feind vergibt. 
Wen solche Lehren nicht erfreun, 
Verdienet nicht, ein Mensch zu sein.


Wen solche Lehren nicht erfreun, 
Verdienet nicht, ein Mensch zu sein.

Mittwoch, 25. Mai 2016

Was Du immer so alles möchtest…

Du möchtest, dass ich schon früh in den Kindergarten gehe, denn schließlich muss ich mich so schnell wie möglich in der Welt zurecht finden. Und ich soll mich bloß nicht zu sehr an meine Eltern binden, denn leben, das muss ich alleine schaffen!

Du möchtest, dass ich mich schon von klein auf an nach den Regeln meines Geschlechtes verhalte. Also liebe Emma, spiele bloß nicht mit Autos. Das gehört sich nicht für ein Mädchen.

Du möchtest, dass ich klug bin. Am besten kann ich schon lesen, bevor ich überhaupt in den Kindergarten komme. Und rechnen. Und schreiben. Naja, und alles andere auch. Denn Du möchtest, dass ich lerne. Und lerne. Und lerne. Und die Beste werde, die ich sein kann.

Du möchtest, dass ich in der Schule brav bin. Dass ich in der ersten Reihe sitze und mir Wissen aneigne. Dass ich Klassenbeste bin von Klasse eins an, denn schließlich ist das Abitur in Sicht. Aber halt, ja, Du möchtest natürlich auch, dass ich zumindest eine ansatzweise soziale Persönlichkeit werde, das heißt, Freunde darf ich auch haben. Aber nicht das Lernen vergessen.

Du möchtest, dass ich nach dem Abitur – dessen Schnitt auf keinen Fall unter 2 liegen darf (und sein wir mal ehrlich, 2 ist schon ganz schön schlecht!) – ganz genau weiß, was ich machen will und mich zügig darum kümmere, diesem Plan nach zu gehen. Dabei schadet es nicht, ein bisschen aufs Gaspedal zu drücken, denn schließlich ist man mit Anfang zwanzig ja schon fast tot. Deshalb habe ich ja auch mehrere Klassen zu überspringen und meine Ausbildung – igitt, habe ich gerade Ausbildung gesagt??? Ich meine STUDIUM!!! Also bitte, alles andere ist unter meinem Niveau! – in Rekordzeit abzuschließen!

Du möchtest, dass ich danach SOFORT den perfekten Arbeitsplatz finde. Denn den werde ich finden, schließlich habe ich alles dafür gegeben, jetzt hier zu stehen!

Du möchtest, dass ich immer im Kampf mit mir selbst stehe. Mit dem Ich in zehn Jahren. Da habe ich hin zu wollen. Danach habe ich zu streben, denn immerhin hat das "In-zehn-Jahren-ich" schon deutlich mehr erreicht als das Ich im Jetzt.

Du möchtest, dass ich hart arbeite, dass ich in meine Rentenkasse einzahle und jedes Jahr brav meine Steuererklärung mache, denn das kann ich natürlich auch. Schließlich habe ich alles zu können.
Du möchtest, dass ich schön bin. Also…. so aussehe, wie Du mich haben möchtest. Ich habe deinem Schönheitsideal zu entsprechen und habe danach zu streben, für immer so auszusehen. Achso, wenn mal eine OP nötig ist, ist das ok, Hauptsache ich sehe schön aus.

Du möchtest, dass ich einen Partner fürs Leben finde. Aber auch nur, wenn er zu mir passt. Von gleichgeschlechtlicher Liebe hältst Du nicht viel, aber Du kennst es auch nicht. Es gehört sich eben nicht, und das reicht Dir als Argument. Daran habe ich mich zu halten. Wo kämen wir hin, wenn ich selbst entscheiden würde, wen ich lieben darf.

Du möchtest deshalb erst recht nicht, dass ich mein "Geschlecht ändere". Warum sollte ich mich fremd in meinem Körper fühlen, schließlich wurde er mir so gegeben und ich habe mich daran zu halten, diesem Körper und diesem Geschlecht nach zu leben. Und wenn ich darüber unglücklich bin, dann ist das mein Pech. Ich sollte nur möglichst schnell darüber hinweg kommen, denn schließlich muss ich schnellstens weiter an meinem Lebensweg feilen, der nächste 5-Jahres-Plan steht an.

Du möchtest, dass ich glücklich bin. Aber Du definierst, was mich glücklich zu machen hat. Du solltest Dich fragen, ob das so richtig ist….




Nachtrag: Wer es nicht herauslesen konnte: dies ist ein offener Brief an die Gesellschaft. Und, liebe Gesellschaft: es tut mir kein bisschen leid, dass ich viele dieser oben aufgezählten Punkte nicht erreicht habe bzw befolge. Ich ziehe es vor, glücklich zu sein, und dieses Glück definiere ICH! Denn ich bin mein Mittelpunkt. Meine sozialen Kreise sind mein Mittelpunkt. Ich möchte so leben können wie ich leben will und wünsche meinen Freunden und allen anderen, dass sie auch so leben können wie sie wollen. Ohne Ausnahme. Ohne Schubladen. Ohne Vorurteile. Man, wäre das eine schöne Welt, oder Emma?

Freitag, 20. Mai 2016

"Man sieht sich immer zwei Mal im Leben!"

Dieser Spruch gehört wohl zu der Sorte, die ihre besten Zeiten schon hinter sich haben. Oder eben zu einen der schlechteren Anmachsprüche. So oder so, es ist eine Floskel.

Oder steckt da mehr hinter?


Es dürfte keinen, der mich näher kennt, verwundern, dass ich bisweilen einen Hang zum Aberglauben habe. Ich bin fest davon überzeugt, dass meine Träume grundsätzlich was zu bedeuten haben. Ich erwische mich dabei wie ich, wenn ich eine schwarze Katze sehe, darauf achte, ob sie von links nach rechts oder von rechts nach links gelaufen ist. Ich glaube an Zufälle, an Schicksal, an Ungewöhnliches.

Du gehörst dazu. Wie groß dieser Hang zum Aberglaube tatsächlich ist, merke ich an Dir. Weil ich da an etwas glaube, an etwas festhalte, was nicht real ist. Gut, für mich ist es so was wie real.
Ich stelle mir mein Gehirn manchmal wie ein Hauptkontrollzentrum vor (ist es ja auch), in der es verschiedene "Akteure" gibt, die ab und an das Steuer übernehmen. Ratio, Emotia und das Chaos.
In Deinem Fall hat wohl oder übel Emotia die Kontrolle übernommen. Emotia neigt zu Übertreibungen, zu Überreaktionen, zu Vieldeuterei und Träumerei. Emotia hat oft die Kontrolle über das Steuer. Sie liebt es, zu schwelgen, zu träumen, in andere Sphären zu schweben und mich komplett von der Realität weg zu holen. Manchmal bin ich ihr unendlich dankbar dafür.
Bei Dir greift der Spruch "Man sieht sich immer zwei Mal im Leben". Er passt und er stimmt. Ich habe Dich im Laufe der letzten Jahre immer mal wieder gesehen. Und jedes Mal war dieses Gefühl da, dass ich dich kenne. Jedes Mal war da dieses Interesse, Dich näher kennen lernen zu wollen. Du hattest und hast scheinbar etwas an dir, was mich magisch anzieht – aber auf einer ganz anderen Ebene als die offensichtlich visuelle Ebene. Ist es dann verwunderlich, dass ich bei all den Zufällen, die Dich und mich immer mal wieder kurz zusammen gebracht haben – aber nie nah genug um es laut sagen zu können – , so stark an Schicksal glaube? Emotia, jedenfalls, ist sehr überzeugt davon, und jeder, der mal mit ihr zu tun hatte, wird es kennen. Sie hat das Steuer übernommen und schleust Dich in meine Tagträume. Sie ruft Dich in meine Erinnerung wann immer es geht. Und es funktioniert. Selbst die richtigen Träume, die weder sie noch Ratio steuern können, haben Dich zu einem Akteur werden lassen.
Spielt man dieses witzige Spiel mal weiter, stelle ich mir grad vor wie Ratio hilflos neben der nach Schmetterlingen hüpfenden Emotia sitzt und immer wieder sagt, sie solle Dich aus meinen Träumen verbannen.
Denn ja, es ist nicht rational. Es ist noch nicht einmal wirklich echt. Auf welcher Ebene befinden wir uns? Und werde ich dadurch nicht blind für das, was echt sein kann?
Aber – Emotia und ich lieben aber – ich will Dich noch nicht verbannen. Ich kann Dich noch nicht verbannen. So lange nicht, wie es auf der Ebene läuft auf der es gerade stattfindet. Sollten Du und ich noch einmal in der Realität aufeinander treffen – und dank meines starken Aberglaubens gehe ich davon aus – kann sich das Blatt ganz schnell wenden.


Solange werde ich aber genießen. Ich werde träumen, schwelgen und nach Schmetterlingen springen. Solange werde ich Emotia voller Zuversicht und Dankbarkeit das Steuer überlassen. Bei all' dem Ärger und Missmut, dem man sich immer mal wieder stellen muss, ist es doch gut zu wissen, dass es etwas oder jemanden gibt, der einen für eine kurze Zeit in eine andere Welt locken kann. Dafür bin ich ihr dankbar. Und Dir.

Montag, 18. April 2016

Let it go!

Du kennst das vielleicht. Du spürst Wut in dir aufsteigen. Du möchtest etwas … jemanden … anschreien. Mit Dingen werfen. Vielleicht nach dem Wutausbruch eine Runde schön gepflegt rumheulen, mit Rotz und Spucke. So richtig authentisch und eklig. Danach geht es dir deutlich besser!

Ich kenne das nicht.

Halt.

Nein, das ist nicht richtig. Ich kenne es nicht so.
Ich weiß nicht warum, aber ich war noch nie besonders gut darin, wütend zu sein. Ich mag es nicht. Ich mag es nicht, angeschrien zu werden, weshalb sollte ich dann schreien?! Ich mag es auch nicht, Dinge kaputt zu machen….

Ich habe heute das Staffel-5-Finale der Serie Girls gesehen. Unter anderem geht es in der einen Folge um einen Streit zwischen Jessa und Adam. Beide haben ein gemeinsames Problem, was über ihnen wabert wie ein Geist – Tobi, du weißt was ich meine ^^ – nämlich Hannah. Hannah ist oder war Jessas beste Freundin. Und Adams Ex-Freundin. Wenn es so etwas wie einen "Sis-Code" gibt, wurde der also definitiv verletzt: Du sollst nicht mit dem Exfreund deiner besten Freundin schlafen…. oder so ähnlich. Wie dem auch sein, Hannah wird immer wieder Thema und dieses Problem führt schließlich zum Streit, der komplett eskaliert. Es werden Dinge geschmissen, Türen zerschlagen, Regale umgeworfen… was immer man sich vorstellen mag. Es wird geflucht, beleidigt. Beide, Jessa und Adam, sind höchst emotional und vor allem cholerisch. Sie werden in diesem Moment damit konfrontiert, wie wütend sie eigentlich sind. Ganz grundsätzlich.

Girls, Season 5, Episode 10 (HBO)

Mich hat diese Szene sehr beeindruckt. Nicht nur, weil sie unglaublich realistisch und überzeugend dargestellt wird. Mich hat der Hintergrund, der Gedanke, beeindruckt. Dass man eben so wütend sein kann, dass es auch mal ausarten kann. Dass man mal um sich wirft und rum schreit, weil alles scheiße ist. Ich glaube, gerade rückblickend gesehen, hätte es mir mal gut getan, zumindest ein bisschen mehr Wut zuzulassen und dementsprechend auch mal rauszulassen. Und das gilt auch jetzt. Vielleicht ist es irrational, aber so vieles was wir empfinden könnte man als irrational bezeichnen. Man muss es ja nicht immer alles gleich in die Waagschale des "Großen Ganzen" legen. Wenn mich jetzt etwas wütend macht, traurig macht oder was auch immer, warum dann nicht einfach mal sagen: scheiß drauf, ich fühle das jetzt.


Let it go….eben! Und alle, die ab jetzt einen Ohrwurm haben: Bittesehr. Warum soll ich die Einzige sein, die leidet?? ;)

Donnerstag, 14. April 2016

Gedankenhaus Teil 3 - Die Mittlere Etage

Die Mittlere Etage

If I fell in love a thousand times,
Would it all make sense?!

Tom Odell - Sense


Ich widme mich nun hier dem dritten und damit letzten Teil der Gedankenhaus-Reihe. Im Gegensatz zu den vorhergehenden Teilen wird dieser hier nur ein paar Eindrücke vermitteln, da alles andere sich zu einem Roman ausdehnen würde. Des Weiteren ist der Beitrag verhältnismäßig (!!) unpersönlich. Warum?
Hier geht es um die Liebe. Das Verliebtsein. Und man mag es glauben oder nicht, das ist für mich eine sehr persönliche Angelegenheit. Und auch wenn ich viel und gerne darüber spreche, so suche ich mir dann doch auch gerne meine Gesprächspartner*innen aus. Meine Gedanken und Erfahrungen in diesem Bereich in diesem Medium zu teilen, ist deshalb für mich unmöglich. Warum dann das Thema mit rein nehmen? Nun, man kann es ja auch ein bisschen anders gestalten.

Ich habe das Gedankenhaus gebaut, weil ich mich sortieren wollte. Ich habe dieses Haus wie einen Menschen erscheinen lassen. Im Dachgeschoss habe ich das angesiedelt, was mir gerade am wichtigsten sein sollte. Also das was essentiell wichtig ist: einen Job zu haben und sich selbst unterhalten können. Das Dachgeschoss ist der Kopf. Der Manager, der der alles steuert.
Im Untergeschoss habe ich mein Ich, meine Ängste und meine Erfahrungen, angesiedelt. Der Wunsch nach mehr Bodenständigkeit, zum-Ich-stehen und das-Ich-lieben-und-akzeptieren passt für mich gut hier hin. Denn das Untergeschoss ist keinesfalls ein Keller oder eine Grube, in der ich etwas vergraben möchte. Es ist das was mich durchs Leben trägt und begleitet: meine Beine und Füße, die mein Ich tragen.

Es ist deshalb fast schon zu erwarten, wo ich die Liebe ansiedle. Das Mittlere Geschoss ist der Körper, der Torso. Hier ist das Herz angesiedelt und wer mir jetzt Kitsch vorwirft: immer her damit ;) Dazu muss ich jetzt auch mal stehen.
Liebe im klassischen Sinne – wenn man das so sagen kann – beschäftigt mich seit ich ca. 12 Jahre alt bin. Ich frage mich, wie Menschen sich verlieben. Wann das passiert. Gibt es bestimmte Situationen, die das vorgeben?
In den letzten Jahren habe ich einige Erkenntnisse erlangt, die vielleicht andere Menschen nicht so sehen würden, die mir aber geholfen haben und auch immer noch helfen, das Ganze ein bisschen besser zu verstehen.
Zum Beispiel glaube ich, dass wir uns in bestimmten Lebens-Situationen auch in ganz bestimmte Menschen verlieben oder "nur" vergucken, die eben gerade zu der Situation ganz gut passen. Hast du gerade eine Trennung hinter dir und eigentlich keine Lust auf die nächste ernste Beziehung, suchst du dir eine*n Partner*in, der/die unnahbar genug ist, um jemals mit ihr/ihm eine emotionale Verbindung einzugehen.
Des weiteren sind wir ja alle Göttinseidank komplett unterschiedlich und doch unglaublich gleich – jeder hat da sein bestimmtes Verhaltensmuster. Und das natürlich auch in diesem Bereich. Da variiert die Skala von "unglaublich schüchtern" zu "unglaublich selbstbewusst", und das ist auch gut so. Ich glaube wir könnten so viel von einander lernen, würden wir uns mehr darüber unterhalten (persönlich!) und dabei ehrlicher miteinander sein. Ich versuche, dieser Ehrlichkeit nachzugehen und genieße es, mich mit unterschiedlichen Menschen über das Thema "sich verlieben", verliebt sein usw. zu unterhalten. Weil man eben doch viel gemeinsam hat, oder sich komplett unterscheidet und sich dann Tipps geben kann. Was ich sehr schätze, ist, mich mit dem anderen Geschlecht über solche Dinge auszutauschen, weil ich dann noch zusätzlich lerne, über welche Dinge ich mir manchmal Gedanken mache, über die ich mir keine Gedanken machen müsste. Übrigens hat das hier gerade nicht mit stereotypischen Verhaltensmustern zu tun.

So viel ich auch geflucht habe in den letzten Jahren, so oft ich Menschen zum Teufel gewünscht habe, mich geärgert habe und die eine oder andere Träne vergossen habe, so sehr liebe ich die Liebe. Ich finde nichts schöner, als dieses Gefühl zu haben. Ich verbinde das wieder ganz viel mit Musik und habe mir in den letzten Jahren meinen eigenen kleinen Soundtrack zusammen gestellt, der mich durch gute und nicht so gute Zeiten begleitet und das ist ein schönes Gefühl. Ein Lied, welches mich seit Jahren begleitet, ist "Sense" von Tom Odell. Ich teile es hier nicht, weil es mir gerade schlecht geht, sondern weil es, wenn auch recht traurig, ein wunderschöner Song ist.