Dienstag, 16. August 2016

Was willst du eigentlich? Oder: Noch 4 Wochen in den Zwanzigern

Emma wird in weniger als einem Monat dreißig. Das lassen wir jetzt mal so stehen.

Nein, natürlich nicht, denn darum geht es ja! Kürzlich sagte mal jemand zu mir "Ich habe gehört, ab da wird's scheiße!" – natürlich war das ein Scherz! Trotzdem: was hat es mit der Dreißig auf sich? Was macht die Dreißig, die 30, die XXX, zu solch einem Lebensereignis? Diese Zahl ist für viele wie ein drohender Vulkanausbruch. Auf Geburtstagseinladungen, -karten und -kuchen wird neckisch und halb verzweifelt lachend eine "29 b" gesetzt. Wirst du ab dem Folgetag deines vermeintlichen Untergangs gefragt wie alt du seiest, lügst du entweder oder flüsterst leise dieses unsägliche Wort – "Dreißig" – Am liebsten würdest du sagen "…und quasi scheintot!", denn jetzt ist alles vorbei.

Aber warum hat die Dreißig all' diese hässlichen Konnotationen an ihrer Seite?
Ich habe mich vor einigen Wochen mal über unsere heutige Gesellschaft ausgelassen – das was sie von uns Individuen verlangt und was das eigentlich mit uns macht – und auch heute muss ich wohl oder übel ein paar Worte dazu verlieren. Ich denke, es wird davon ausgegangen, dass du doch bitte mit dreißig ein komplett fertiger Mensch bist (ich meine fertig im Sinne von komplett, vollständig entwickelt) – eben so, wie die Gesellschaft dich haben will. Übrigens sei der vorhergehenden Klammer noch dazugefügt, dass ich mutwillig das Wort "fertig" benutzt habe – denn wir sind fertig. Viele von uns haben bereits in den Zwanzigern ihr erstes Burnout. Und woran liegt das? Tja… Aber weiter im Text. Wir sollen also alle bitte spätestens in den Zwanzigern voll-entwickelt sein. Das heißt, einen Job haben in dem wir viel verdienen, eine Wohnung oder Haus haben, ein Auto haben, Partner und Kinder haben…. Und das wissen wir schon vorher. Wir wissen, dass es von uns erwartet wird. Und deshalb beginnt kurz nach der Schule plötzlich eine Art Wettlauf mit sich selbst. Und er endet nicht damit, dass man durch eine Zielgerade läuft und alle applaudieren. Nein: denn du hast nicht die Zeit die du brauchst, du hast eine vorgegebene Zeit. Und die Zielgerade – die Dreißig – ist ein Gong. Schaffst du es, alles was von dir verlangt wird, auf der Strecke zusammen zu bekommen, kannst du fröhlich auf den Gong zu rennen, ihn schlagen und weiter machen. Merkst du mit 27/28/29, dass dir noch viele Dinge fehlen, kriegst du Panik. Die Dreißig auf der Zielgeraden verwandelt sich in dein zukünftiges Ich, das dich aus der Entfernung anschreit: "Jetzt MACH schon!!! Du bist bald da und hast NICHTS geschafft! Was machen wir denn wenn du hier bist???"
Nein, ich will da nicht hin, denkst du dir. Ich will nicht. Ich lege mich einfach auf den Boden. Und ich werde so lange an diesem Punkt stehen bleiben, bis ich das habe was ich brauche. Dann kann ich auch Dreißig sein. Ich werde 29 b. 29 c…..

Ist das nicht furchtbar?
Aber, was tun?
Emma ist grundsätzlich nicht dieser Meinung. Sie hat auch die Dreißig nie als diese Hürde gesehen. Und damit ist sie natürlich auch nicht allein.

Emma freut sich, dreißig zu werden. Sie mag die Zahl. Sie misst ihr weniger Bedeutung zu, etwa genau so viel, wie sie eben verdient. Emma weiß, dass sie längst nicht alles, was gesellschaftlich von ihr verlangt wird beziehungsweise was gesellschaftlich anerkannt ist, erreicht hat. Vieles davon WILL sie allerdings auch gar nicht erreichen.

Emma möchte sich vor allem Zeit lassen. Zeit dafür, das Leben zu beobachten, zu erleben und zu genießen. Emma möchte sich mit Menschen umgeben, die ihr gut tun und denen sie gut tut. Sie möchte ihren neuen beruflichen Lebensweg mit Freude betreten und nicht mit Angst oder Druck.

Emma möchte lernen, ehrlich zu sagen was sie denkt und fühlt. Zu oft sagt sie es nicht und vielleicht entging ihr auf diese Weise die eine oder andere Chance. Das ist Emmas größte Aufgabe im neuen Lebensjahr: ehrlich mit sich und anderen sein. Das heißt übrigens nicht, dass Emma lügt. Emma hat nur leider manchmal sehr viel Angst, zu sagen was sie denkt und vor allem zu sagen was sie fühlt.

Emma wünscht sich für die Zukunft einen Komplizen, einen Weggefährten, mit dem sie die Welt entdecken, sich selbst entdecken und ausprobieren kann. Sie möchte wissen, was es da eigentlich noch gibt abgesehen von gesellschaftlichen Zwängen und vermeintlichen Vorschriften. Was ist, wenn man ganz frei liebt?

Und Emma möchte vor allen Dingen Emma sein können. Für sich entscheiden können, was sie möchte, was sie gut findet und was sie will. Denn es ist ja ihr Leben.

Deshalb sei gesagt: Emma hat keine Angst vor der Dreißig. Sie freut sich drauf, wie sie sich auf jeden Geburtstag freut.

Das heißt, sie kann es kaum erwarten.


 Pierre Auguste Renoir - Dance in the Country

Freitag, 8. Juli 2016

Gedanken an die Menschheit und an Mozart

Ich bin ein großer Opern-Fan. Es gibt wenig, was mich so berühren kann, wie diese zauberhafte Musik, die Arien, die Harmonie.

Unlängst hörte ich mir mal wieder die Zauberflöte an und erwische mich dabei, wie ich einer Arie besonders viel Aufmerksamkeit schenkte. Ich hörte sie immer wieder. Das habe ich auch früher schon getan. Nur dieses Mal war es anders. Natürlich hatte ich wie immer einen Kloß im Hals, so ist es meistens wenn ich Opern höre. Aber ich achtete auf den Text. 

Und so widme ich meinen heutigen Eintrag dem großartigen Mozart und präsentiere den Text dieser Arie. Er passt. Zur Situation, zur Gesellschaft... Wir sollten uns darauf besinnen. Wir sollten sie erinnern, diese Arien. Diese Musik. Wir sollten sie schätzen. Denn auch sie transportieren wichtige Botschaften.


In diesen heil'gen Hallen


(W.A.Mozart - Die Zauberflöte, Akt II, Sarastro)


In diesen heil'gen Hallen 

Kennt man die Rache nicht, 
Und ist ein Mensch gefallen, 
Führt Liebe ihn zur Pflicht. 
Dann wandelt er an Freundes Hand 
Vergnügt und froh ins bess're Land. 


Dann wandelt er an Freundes Hand 
Vergnügt und froh ins bess're Land. 



In diesen heil'gen Mauern, 
Wo Mensch den Menschen liebt, 
Kann kein Verräter lauern, 
Weil man dem Feind vergibt. 
Wen solche Lehren nicht erfreun, 
Verdienet nicht, ein Mensch zu sein.


Wen solche Lehren nicht erfreun, 
Verdienet nicht, ein Mensch zu sein.

Mittwoch, 25. Mai 2016

Was Du immer so alles möchtest…

Du möchtest, dass ich schon früh in den Kindergarten gehe, denn schließlich muss ich mich so schnell wie möglich in der Welt zurecht finden. Und ich soll mich bloß nicht zu sehr an meine Eltern binden, denn leben, das muss ich alleine schaffen!

Du möchtest, dass ich mich schon von klein auf an nach den Regeln meines Geschlechtes verhalte. Also liebe Emma, spiele bloß nicht mit Autos. Das gehört sich nicht für ein Mädchen.

Du möchtest, dass ich klug bin. Am besten kann ich schon lesen, bevor ich überhaupt in den Kindergarten komme. Und rechnen. Und schreiben. Naja, und alles andere auch. Denn Du möchtest, dass ich lerne. Und lerne. Und lerne. Und die Beste werde, die ich sein kann.

Du möchtest, dass ich in der Schule brav bin. Dass ich in der ersten Reihe sitze und mir Wissen aneigne. Dass ich Klassenbeste bin von Klasse eins an, denn schließlich ist das Abitur in Sicht. Aber halt, ja, Du möchtest natürlich auch, dass ich zumindest eine ansatzweise soziale Persönlichkeit werde, das heißt, Freunde darf ich auch haben. Aber nicht das Lernen vergessen.

Du möchtest, dass ich nach dem Abitur – dessen Schnitt auf keinen Fall unter 2 liegen darf (und sein wir mal ehrlich, 2 ist schon ganz schön schlecht!) – ganz genau weiß, was ich machen will und mich zügig darum kümmere, diesem Plan nach zu gehen. Dabei schadet es nicht, ein bisschen aufs Gaspedal zu drücken, denn schließlich ist man mit Anfang zwanzig ja schon fast tot. Deshalb habe ich ja auch mehrere Klassen zu überspringen und meine Ausbildung – igitt, habe ich gerade Ausbildung gesagt??? Ich meine STUDIUM!!! Also bitte, alles andere ist unter meinem Niveau! – in Rekordzeit abzuschließen!

Du möchtest, dass ich danach SOFORT den perfekten Arbeitsplatz finde. Denn den werde ich finden, schließlich habe ich alles dafür gegeben, jetzt hier zu stehen!

Du möchtest, dass ich immer im Kampf mit mir selbst stehe. Mit dem Ich in zehn Jahren. Da habe ich hin zu wollen. Danach habe ich zu streben, denn immerhin hat das "In-zehn-Jahren-ich" schon deutlich mehr erreicht als das Ich im Jetzt.

Du möchtest, dass ich hart arbeite, dass ich in meine Rentenkasse einzahle und jedes Jahr brav meine Steuererklärung mache, denn das kann ich natürlich auch. Schließlich habe ich alles zu können.
Du möchtest, dass ich schön bin. Also…. so aussehe, wie Du mich haben möchtest. Ich habe deinem Schönheitsideal zu entsprechen und habe danach zu streben, für immer so auszusehen. Achso, wenn mal eine OP nötig ist, ist das ok, Hauptsache ich sehe schön aus.

Du möchtest, dass ich einen Partner fürs Leben finde. Aber auch nur, wenn er zu mir passt. Von gleichgeschlechtlicher Liebe hältst Du nicht viel, aber Du kennst es auch nicht. Es gehört sich eben nicht, und das reicht Dir als Argument. Daran habe ich mich zu halten. Wo kämen wir hin, wenn ich selbst entscheiden würde, wen ich lieben darf.

Du möchtest deshalb erst recht nicht, dass ich mein "Geschlecht ändere". Warum sollte ich mich fremd in meinem Körper fühlen, schließlich wurde er mir so gegeben und ich habe mich daran zu halten, diesem Körper und diesem Geschlecht nach zu leben. Und wenn ich darüber unglücklich bin, dann ist das mein Pech. Ich sollte nur möglichst schnell darüber hinweg kommen, denn schließlich muss ich schnellstens weiter an meinem Lebensweg feilen, der nächste 5-Jahres-Plan steht an.

Du möchtest, dass ich glücklich bin. Aber Du definierst, was mich glücklich zu machen hat. Du solltest Dich fragen, ob das so richtig ist….




Nachtrag: Wer es nicht herauslesen konnte: dies ist ein offener Brief an die Gesellschaft. Und, liebe Gesellschaft: es tut mir kein bisschen leid, dass ich viele dieser oben aufgezählten Punkte nicht erreicht habe bzw befolge. Ich ziehe es vor, glücklich zu sein, und dieses Glück definiere ICH! Denn ich bin mein Mittelpunkt. Meine sozialen Kreise sind mein Mittelpunkt. Ich möchte so leben können wie ich leben will und wünsche meinen Freunden und allen anderen, dass sie auch so leben können wie sie wollen. Ohne Ausnahme. Ohne Schubladen. Ohne Vorurteile. Man, wäre das eine schöne Welt, oder Emma?

Freitag, 20. Mai 2016

"Man sieht sich immer zwei Mal im Leben!"

Dieser Spruch gehört wohl zu der Sorte, die ihre besten Zeiten schon hinter sich haben. Oder eben zu einen der schlechteren Anmachsprüche. So oder so, es ist eine Floskel.

Oder steckt da mehr hinter?


Es dürfte keinen, der mich näher kennt, verwundern, dass ich bisweilen einen Hang zum Aberglauben habe. Ich bin fest davon überzeugt, dass meine Träume grundsätzlich was zu bedeuten haben. Ich erwische mich dabei wie ich, wenn ich eine schwarze Katze sehe, darauf achte, ob sie von links nach rechts oder von rechts nach links gelaufen ist. Ich glaube an Zufälle, an Schicksal, an Ungewöhnliches.

Du gehörst dazu. Wie groß dieser Hang zum Aberglaube tatsächlich ist, merke ich an Dir. Weil ich da an etwas glaube, an etwas festhalte, was nicht real ist. Gut, für mich ist es so was wie real.
Ich stelle mir mein Gehirn manchmal wie ein Hauptkontrollzentrum vor (ist es ja auch), in der es verschiedene "Akteure" gibt, die ab und an das Steuer übernehmen. Ratio, Emotia und das Chaos.
In Deinem Fall hat wohl oder übel Emotia die Kontrolle übernommen. Emotia neigt zu Übertreibungen, zu Überreaktionen, zu Vieldeuterei und Träumerei. Emotia hat oft die Kontrolle über das Steuer. Sie liebt es, zu schwelgen, zu träumen, in andere Sphären zu schweben und mich komplett von der Realität weg zu holen. Manchmal bin ich ihr unendlich dankbar dafür.
Bei Dir greift der Spruch "Man sieht sich immer zwei Mal im Leben". Er passt und er stimmt. Ich habe Dich im Laufe der letzten Jahre immer mal wieder gesehen. Und jedes Mal war dieses Gefühl da, dass ich dich kenne. Jedes Mal war da dieses Interesse, Dich näher kennen lernen zu wollen. Du hattest und hast scheinbar etwas an dir, was mich magisch anzieht – aber auf einer ganz anderen Ebene als die offensichtlich visuelle Ebene. Ist es dann verwunderlich, dass ich bei all den Zufällen, die Dich und mich immer mal wieder kurz zusammen gebracht haben – aber nie nah genug um es laut sagen zu können – , so stark an Schicksal glaube? Emotia, jedenfalls, ist sehr überzeugt davon, und jeder, der mal mit ihr zu tun hatte, wird es kennen. Sie hat das Steuer übernommen und schleust Dich in meine Tagträume. Sie ruft Dich in meine Erinnerung wann immer es geht. Und es funktioniert. Selbst die richtigen Träume, die weder sie noch Ratio steuern können, haben Dich zu einem Akteur werden lassen.
Spielt man dieses witzige Spiel mal weiter, stelle ich mir grad vor wie Ratio hilflos neben der nach Schmetterlingen hüpfenden Emotia sitzt und immer wieder sagt, sie solle Dich aus meinen Träumen verbannen.
Denn ja, es ist nicht rational. Es ist noch nicht einmal wirklich echt. Auf welcher Ebene befinden wir uns? Und werde ich dadurch nicht blind für das, was echt sein kann?
Aber – Emotia und ich lieben aber – ich will Dich noch nicht verbannen. Ich kann Dich noch nicht verbannen. So lange nicht, wie es auf der Ebene läuft auf der es gerade stattfindet. Sollten Du und ich noch einmal in der Realität aufeinander treffen – und dank meines starken Aberglaubens gehe ich davon aus – kann sich das Blatt ganz schnell wenden.


Solange werde ich aber genießen. Ich werde träumen, schwelgen und nach Schmetterlingen springen. Solange werde ich Emotia voller Zuversicht und Dankbarkeit das Steuer überlassen. Bei all' dem Ärger und Missmut, dem man sich immer mal wieder stellen muss, ist es doch gut zu wissen, dass es etwas oder jemanden gibt, der einen für eine kurze Zeit in eine andere Welt locken kann. Dafür bin ich ihr dankbar. Und Dir.

Montag, 18. April 2016

Let it go!

Du kennst das vielleicht. Du spürst Wut in dir aufsteigen. Du möchtest etwas … jemanden … anschreien. Mit Dingen werfen. Vielleicht nach dem Wutausbruch eine Runde schön gepflegt rumheulen, mit Rotz und Spucke. So richtig authentisch und eklig. Danach geht es dir deutlich besser!

Ich kenne das nicht.

Halt.

Nein, das ist nicht richtig. Ich kenne es nicht so.
Ich weiß nicht warum, aber ich war noch nie besonders gut darin, wütend zu sein. Ich mag es nicht. Ich mag es nicht, angeschrien zu werden, weshalb sollte ich dann schreien?! Ich mag es auch nicht, Dinge kaputt zu machen….

Ich habe heute das Staffel-5-Finale der Serie Girls gesehen. Unter anderem geht es in der einen Folge um einen Streit zwischen Jessa und Adam. Beide haben ein gemeinsames Problem, was über ihnen wabert wie ein Geist – Tobi, du weißt was ich meine ^^ – nämlich Hannah. Hannah ist oder war Jessas beste Freundin. Und Adams Ex-Freundin. Wenn es so etwas wie einen "Sis-Code" gibt, wurde der also definitiv verletzt: Du sollst nicht mit dem Exfreund deiner besten Freundin schlafen…. oder so ähnlich. Wie dem auch sein, Hannah wird immer wieder Thema und dieses Problem führt schließlich zum Streit, der komplett eskaliert. Es werden Dinge geschmissen, Türen zerschlagen, Regale umgeworfen… was immer man sich vorstellen mag. Es wird geflucht, beleidigt. Beide, Jessa und Adam, sind höchst emotional und vor allem cholerisch. Sie werden in diesem Moment damit konfrontiert, wie wütend sie eigentlich sind. Ganz grundsätzlich.

Girls, Season 5, Episode 10 (HBO)

Mich hat diese Szene sehr beeindruckt. Nicht nur, weil sie unglaublich realistisch und überzeugend dargestellt wird. Mich hat der Hintergrund, der Gedanke, beeindruckt. Dass man eben so wütend sein kann, dass es auch mal ausarten kann. Dass man mal um sich wirft und rum schreit, weil alles scheiße ist. Ich glaube, gerade rückblickend gesehen, hätte es mir mal gut getan, zumindest ein bisschen mehr Wut zuzulassen und dementsprechend auch mal rauszulassen. Und das gilt auch jetzt. Vielleicht ist es irrational, aber so vieles was wir empfinden könnte man als irrational bezeichnen. Man muss es ja nicht immer alles gleich in die Waagschale des "Großen Ganzen" legen. Wenn mich jetzt etwas wütend macht, traurig macht oder was auch immer, warum dann nicht einfach mal sagen: scheiß drauf, ich fühle das jetzt.


Let it go….eben! Und alle, die ab jetzt einen Ohrwurm haben: Bittesehr. Warum soll ich die Einzige sein, die leidet?? ;)

Donnerstag, 14. April 2016

Gedankenhaus Teil 3 - Die Mittlere Etage

Die Mittlere Etage

If I fell in love a thousand times,
Would it all make sense?!

Tom Odell - Sense


Ich widme mich nun hier dem dritten und damit letzten Teil der Gedankenhaus-Reihe. Im Gegensatz zu den vorhergehenden Teilen wird dieser hier nur ein paar Eindrücke vermitteln, da alles andere sich zu einem Roman ausdehnen würde. Des Weiteren ist der Beitrag verhältnismäßig (!!) unpersönlich. Warum?
Hier geht es um die Liebe. Das Verliebtsein. Und man mag es glauben oder nicht, das ist für mich eine sehr persönliche Angelegenheit. Und auch wenn ich viel und gerne darüber spreche, so suche ich mir dann doch auch gerne meine Gesprächspartner*innen aus. Meine Gedanken und Erfahrungen in diesem Bereich in diesem Medium zu teilen, ist deshalb für mich unmöglich. Warum dann das Thema mit rein nehmen? Nun, man kann es ja auch ein bisschen anders gestalten.

Ich habe das Gedankenhaus gebaut, weil ich mich sortieren wollte. Ich habe dieses Haus wie einen Menschen erscheinen lassen. Im Dachgeschoss habe ich das angesiedelt, was mir gerade am wichtigsten sein sollte. Also das was essentiell wichtig ist: einen Job zu haben und sich selbst unterhalten können. Das Dachgeschoss ist der Kopf. Der Manager, der der alles steuert.
Im Untergeschoss habe ich mein Ich, meine Ängste und meine Erfahrungen, angesiedelt. Der Wunsch nach mehr Bodenständigkeit, zum-Ich-stehen und das-Ich-lieben-und-akzeptieren passt für mich gut hier hin. Denn das Untergeschoss ist keinesfalls ein Keller oder eine Grube, in der ich etwas vergraben möchte. Es ist das was mich durchs Leben trägt und begleitet: meine Beine und Füße, die mein Ich tragen.

Es ist deshalb fast schon zu erwarten, wo ich die Liebe ansiedle. Das Mittlere Geschoss ist der Körper, der Torso. Hier ist das Herz angesiedelt und wer mir jetzt Kitsch vorwirft: immer her damit ;) Dazu muss ich jetzt auch mal stehen.
Liebe im klassischen Sinne – wenn man das so sagen kann – beschäftigt mich seit ich ca. 12 Jahre alt bin. Ich frage mich, wie Menschen sich verlieben. Wann das passiert. Gibt es bestimmte Situationen, die das vorgeben?
In den letzten Jahren habe ich einige Erkenntnisse erlangt, die vielleicht andere Menschen nicht so sehen würden, die mir aber geholfen haben und auch immer noch helfen, das Ganze ein bisschen besser zu verstehen.
Zum Beispiel glaube ich, dass wir uns in bestimmten Lebens-Situationen auch in ganz bestimmte Menschen verlieben oder "nur" vergucken, die eben gerade zu der Situation ganz gut passen. Hast du gerade eine Trennung hinter dir und eigentlich keine Lust auf die nächste ernste Beziehung, suchst du dir eine*n Partner*in, der/die unnahbar genug ist, um jemals mit ihr/ihm eine emotionale Verbindung einzugehen.
Des weiteren sind wir ja alle Göttinseidank komplett unterschiedlich und doch unglaublich gleich – jeder hat da sein bestimmtes Verhaltensmuster. Und das natürlich auch in diesem Bereich. Da variiert die Skala von "unglaublich schüchtern" zu "unglaublich selbstbewusst", und das ist auch gut so. Ich glaube wir könnten so viel von einander lernen, würden wir uns mehr darüber unterhalten (persönlich!) und dabei ehrlicher miteinander sein. Ich versuche, dieser Ehrlichkeit nachzugehen und genieße es, mich mit unterschiedlichen Menschen über das Thema "sich verlieben", verliebt sein usw. zu unterhalten. Weil man eben doch viel gemeinsam hat, oder sich komplett unterscheidet und sich dann Tipps geben kann. Was ich sehr schätze, ist, mich mit dem anderen Geschlecht über solche Dinge auszutauschen, weil ich dann noch zusätzlich lerne, über welche Dinge ich mir manchmal Gedanken mache, über die ich mir keine Gedanken machen müsste. Übrigens hat das hier gerade nicht mit stereotypischen Verhaltensmustern zu tun.

So viel ich auch geflucht habe in den letzten Jahren, so oft ich Menschen zum Teufel gewünscht habe, mich geärgert habe und die eine oder andere Träne vergossen habe, so sehr liebe ich die Liebe. Ich finde nichts schöner, als dieses Gefühl zu haben. Ich verbinde das wieder ganz viel mit Musik und habe mir in den letzten Jahren meinen eigenen kleinen Soundtrack zusammen gestellt, der mich durch gute und nicht so gute Zeiten begleitet und das ist ein schönes Gefühl. Ein Lied, welches mich seit Jahren begleitet, ist "Sense" von Tom Odell. Ich teile es hier nicht, weil es mir gerade schlecht geht, sondern weil es, wenn auch recht traurig, ein wunderschöner Song ist.




Dienstag, 29. März 2016

Gedankenhaus Teil Zwei

Hier kommt Teil zwei zum Thema "Gedankenhaus". Und damit es nicht langweilig wird, geht es nicht mit der mittleren Etage weiter, sondern mit dem Erdgeschoss.

Erdgeschoss - Mut zum Selbst

Ein weiterer Nebeneffekt des arbeitslos Seins ist, dass man natürlich auch viel Zeit hat, über sich selbst nachzudenken. Das kann, je nach Befinden, zu einem guten oder schlechten Selbstgefühl führen.
Zur Zeit denke ich viel über meine persönliche Entwicklung in den letzten Jahren nach. Was hat sich bereits geändert, woran muss ich noch arbeiten und so weiter. Ich habe festgestellt, dass ich in den letzten Jahren wieder ein bisschen mehr zu mir selbst gefunden habe. Ich habe gelernt, mich auf meiner Prioritäten-Skala ganz oben anzusiedeln. Das sage ich jetzt so selbstbewusst und -bestimmt, aber der Weg, es so zu sehen ist lang und ich bin noch lange nicht dort angekommen. Aber ich möchte dort hin kommen und arbeite aktiv daran. Es gibt eine Theorie, dass sich der Körper alle 7 Jahre rundum erneuert. Wäre dem tatsächlich so, wäre ich nun seit fast zwei Jahren in Phase vier. Und vielleicht passt das auch ganz gut. Ich stelle fest, dass ich mittlerweile mit manchen Dingen sehr viel besser umgehen kann als noch vor ein paar Jahren.
Der "Mut zum Selbst" beinhaltet für mich ganz besonders die Liebe für sich selbst. Das mag jetzt kitschig klingen, ist aber – für mich – ausschlaggebend für mein Verhalten. Wir Menschen neigen dazu, unzufrieden mit uns zu sein, ganz besonders was unser Aussehen betrifft. Es gibt Dinge, die wir an uns nicht schön finden und die wir gerne anders hätten. Das ist auch völlig in Ordnung so, denn nur dadurch lernen wir, zu reflektieren und uns mit uns selbst auseinander zu setzen. "Erkenne dich selbst", so to speak. Nur, wer da gerade das Spiegelbild beurteilt, ist von höchster Wichtigkeit. Denn was ich beobachte ist, dass unsere Gesellschaft ein bestimmtes Bild hat, wie man als "normaler Mensch" (ich hasse!!! diesen Ausdruck) zu sein hat, auszusehen hat und zu handeln hat. Wer davon abweicht, ist, nach dieser Theorie zu urteilen, "unnormal" und "muss sich ändern".
Ich glaube nicht daran. Und ich möchte auch kein "normaler oder unnormaler Mensch" sein. Ich möchte in erster Linie ein glücklicher Mensch sein und was mich glücklich macht, habe ich in der Hand und nicht die Gesellschaft. Ich möchte in keiner Schublade stecken.
Denn, nur mal aus Jux, machen wir das doch mal:
Ich bin demnach das: eine weiße, kurvige, heterosexuelle Frau, die noch nicht verheiratet ist, keine Kinder hat und zur Zeit noch nicht einmal einen Job hat.
Die Punkte, die man also hier bemäkeln könnte wären, dass ich nicht das Aussehen und die Figur einer "normalen Frau" habe, dass ich mit fast dreißig immer noch nicht verheiratet bin, keine Kinder und keinen Job habe.
Und hier kommt jetzt meine Sicht:
Ich bin ein Mensch. Ich bin queer. Ich mag meine Figur. Ich möchte nicht heiraten. Ich möchte keine Kinder. Ich möchte arbeiten.
Würde ich mich nach gesellschaftlichen Richtlinien beurteilen, müsste ich jetzt irgendwo in einer Ecke sitzen und weinen. Das tue ich aber nicht. Ich habe gelernt – und das war ein langer Weg – mich mit meinen eigenen Augen zu beurteilen. Mein Bestreben ist es in diesem Leben, glücklich zu sein. Das bedeutet, dass ich alles dafür tun möchte um glücklich zu sein. Oder anders, dass ich mir über die Dinge klar werde, die mich glücklich machen.
Ich bin noch lange nicht an diesem Punkt angelangt, aber ich bin auf dem Weg dahin und es ist ein gutes Gefühl, sich mit sich selbst zu beschäftigen und bei sich selbst anzukommen.

Gefährlich wird es bei mir, wenn mein Blick zu sehr und zu weit in die Vergangenheit wandert. Ich habe vor kurzem mit einem Freund genau über diesen Punkt gesprochen und um es uns einfacher zu machen, einander zu verstehen, haben wir das ganze mal visualisiert. Ich habe dafür das Metronom benutzt.


(Ursprüngliche Quelle des Bildes: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/6/69/Wittner_metronome.jpg )

Ein Metronom gibt den Takt an. Der Takt-Zeiger schwingt, wie ein Pendel, nach rechts und links. Den Takt – das Tempo – bestimmt derjenige, der es bedient. In der "Ruhephase" steht der Zeiger in der Mitte und das Metronom gibt keinen Laut von sich. Diesen Zustand nenne ich, wenn wir das Metronom nun als Metapher für unser Leben benutzen, die Gegenwart, das Jetzt und Hier. Der Mensch lässt sich nun durch zwei unterschiedliche Möglichkeiten im Leben antreiben. Entweder durch den Blick in die Vergangenheit oder den Blick Richtung Zukunft.
Bei dem Menschen, der in die Vergangenheit blickt, schlägt das Metronom nun nach links aus. Dieser Mensch verlässt sich aufgrund seiner Erfahrungen in der Vergangenheit darauf, dass seine Zukunft entweder ähnlich verläuft (positive Erfahrungen) oder anders verläuft (negative Erfahrungen). Entweder seine Erfahrungen haben ihn/sie bestärkt (positiv) oder auch ein bisschen unsicher oder vorsichtig gemacht (negativ). Hier sei festgehalten, dass es sich um Beobachtungen handelt, die keinesfalls beurteilend gemeint sind.
Bei dem Menschen, der in die Zukunft blickt, schlägt das Metronom nach rechts aus. Dieser Mensch hat mit der Vergangenheit abgeschlossen und möchte nach vorne schauen. Auch hier wieder: kein Urteil, nur eine Beobachtung.
Ich glaube, dass in den meisten Fällen das Metronom genau so tickt, wie es soll. Denn es kann nicht nur in eine Richtung schwingen. Es muss nach links schwingen um nach rechts zu kommen. Das bedeutet im übertragenen Sinne, dass bei uns wohl auch mal der Blick in die Vergangenheit hilft, um in der Gegenwart klar zu kommen und positiv Richtung Zukunft gehen zu können. Die Frequenz des "Zurückschauens" ist aber dem Menschen selbst überlassen.
Ich gehöre zu den Menschen, die noch häufig den Blick Richtung Vergangenheit lenken. Ich wünsche mir aber, dies mit der Zeit etwas weniger zu tun. Denn natürlich definiert uns die Mischung aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, aber man sollte den Großteil seiner Zeit im Hier und Jetzt verbringen und nicht zu sehr im "was war" und "was sein wird". So sehe ich es zumindest.


So. Dieser Eintrag war lang. Vielleicht war er ein bisschen wirr ("all over the place"), aber ich erwähnte ja bereits, dass in meinem Kopf gerade viel los ist. Wer Fragen dazu hat, darf mich gerne anschreiben. Ich habe längst nicht alles gesagt, was ich sagen wollte, aber man muss auch irgendwann mal ein Ende finden und das ist hier.

Montag, 28. März 2016

Musik, Tagträume und Busfahrten

So. Wie das nun mal so ist bei kreativen Menschen, geht es hier heute nicht mit "Gedankenhaus Teil Zwei" weiter, denn ich muss vorher was anderes loswerden :) Man möge es mir nachsehen. Morgen geht es dann mit Teil Zwei weiter.

Musik

Es ist erstaunlich, was Musik alles kann. 
Sie berührt, sie betäubt, sie erfreut, sie tröstet, sie macht Spaß, sie will tanzen. Seit Jahren wird mein Leben von Musik begleitet. Ob ich sie selber mache oder sie höre, sie ist immer bei mir. Und ich will sie niemals missen müssen.
Ich möchte unterstellen, dass es vielen so geht, wie ich es im Folgenden beschreiben werde:

In meinem Leben gibt es bestimmte Lieder für bestimmte Situationen oder Gefühls-Zustände. Grundsätzlich höre ich, wenn es mir besonders gut geht, fröhliche und schnelle Musik. Musik zum Tanzen. Wenn ich traurig bin, höre ich ruhige Musik, entweder Klassik oder, wenn es ganz schlimm ist, traurige Balladen. Wenn ich wütend bin, höre ich Rock. Und das ganz laut.

Was Musik - bestimmte Lieder vor allem - aber auch kann, ist, Erinnerungen zu wecken.
Ich habe ja schon mal berichtet, wie gerne ich Bus/Zug fahre. Bei solchen Fahrten höre ich viel Musik. Ich erschaffe mir dann meine eigene, kleine Welt, meine "Bubble". Während ich Musik höre und aus dem Fenster schaue, tauche ich in diese Welt ein und lasse mich von meinen Tagträumen wegtragen. Das sind natürlich schöne Träume, die mich sehr glücklich machen.
Im Dezember habe ich in einem Laden in Neumünster gejobbt und hatte eine relativ lange Anreise, die ich für eben genau das genutzt und geliebt habe. Die Zeit dort war sehr anstrengend und ich denke nur sehr ungern an sie zurück. Allerdings habe ich auf der Busfahrt ein Lied besonders oft gehört: "The Ghost Inside" von den Broken Bells.


Mit dem Song verbinde ich sehr schöne Tagträume und ein pures Glücksgefühl. Es ist ein recht fröhliches Lied und ich habe mich sowohl morgens auf der Hinfahrt, als auch (vor allem) Abends nach Feierabend, unglaublich gefreut, es "gleich im Bus" zu hören. Gerade weil die Zeit nicht schön war, brauchte ich meine Tagträume sehr. Die Luftschlösser, die Gedanken an einen bestimmten Menschen, das alles hat bewirkt, dass ich mich besser fühlte. Mein Herz schlug schneller und ich habe mich oft dabei erwischt, wie ich einfach da saß im Bus, raus schaute und aus vollstem Herzen lächelte.

Seit Dezember habe ich dieses Lied allerdings gemieden. Immer wenn es durch Zufall in meiner Playlist lief, habe ich auf "weiter" geklickt. Schon bei den ersten Tönen kam die Erinnerung wieder. Aber leider nicht die Erinnerung an die Fahrten und die Tagträume, sondern an die Arbeit.
Als ich heute im Bus saß und aus dem Fenster schaute, hatte ich dann plötzlich das Bedürfnis es zu hören. Und dieses Mal hat es funktioniert. Die Gefühle - die guten - waren wieder da. Auch jetzt, während ich diesen Beitrag schreibe, läuft es im Hintergrund. Und es geht mir gut.
Es ist erstaunlich, was Musik alles kann.


Montag, 21. März 2016

Gedankenhaus

Vielleicht kennst Du das. Eigentlich bist Du total motiviert, eine bestimmte Sache anzugehen. Du machst Dir vielleicht sogar einen Plan, wie Du vorgehen willst. Schritte 1-3 gelingen Dir auch problemlos. Und dann ist plötzlich Schluss. Und Du stehst da und versuchst Dich zu erklären. Zu erklären, warum Du nicht weiter machen kannst. Und Dir fallen die spannendsten Ausreden ein. Nee, das kann ich jetzt gerade einfach nicht machen. Ich muss erstmal dasunddas machen. Was auch immer dasunddas ist…
Ich wollte wieder regelmäßiger bloggen. Nicht jeden Tag, aber eben regelmäßig, vielleicht einmal pro Woche oder so. So hab ich mir das vorgestellt. Und dann hab ich es einfach nicht gemacht. Meine Ausrede: Ich habe gerade sooo viel in meinem Kopf, ich weiß gar nicht, wo ich anfangen sollte! Das stimmt auch. Aber ich nehme das jetzt mal als Herausforderung an und schreibe einfach auf, was da alles gerade im Kopf vor sich geht. Deswegen nennt sich dieser Eintrag "Gedankenhaus". Der Begriff kam mir in den Sinn, als ich verzweifelt versuchte, meine Gefühle und Gedanken zu sortieren. Seit einer Weile versuche ich in einer solchen SItuation, die DInge zu visualisieren. Also habe ich ein Haus "gebaut", in dem ich die Dinge, die mich gerade beschäftigen, in verschiedene Stockwerke angesiedelt habe. Damit es aber nicht zu viel zu lesen ist (und ich auch noch ein bisschen Zeit habe ^^), habe ich den Themenkomplex Gedankenhaus in drei separate Posts aufgeteilt. Hier kommt also Teil eins:

Dachgeschoss: Geduld ist eine Tugend

Arbeitslos zu sein hat, wie man sich das ja denken kann, sowohl Vor- als auch Nachteile. Ich muss gestehen, dass ich es bisweilen sehr genossen habe. Ich hatte und habe viel Zeit für meine Freunde, ich kann ausschlafen und ich kann all meinen Suchten frönen. Das ist zuerst schön, dann ist es ganz nett und dann wird es fast schon gefährlich. Die Gefahr besteht darin, dass man "versumpft", was so viel heißt wie, sich diesem Nichtstun hinzugeben und es fast schon ein bisschen zu sehr zu genießen.

Die ersten Monate der Arbeitslosigkeit lassen sich in drei Phasen einteilen. Phase eins: yeah, hallo Nichtstun!! Ich mach einfach was ich wihiillll! Ich kann den ganzen Tag Serien gucken! Ich kann mich mit Freunden treffen! Mein Leben ist so geil, so kann es bleiben!!! Phase zwei: Hm… Eigentlich müsste ich mal was tun. Ich kann ja mal ein paar Bewerbungen schreiben. Irgendwie hab ich kein Geld. Und will mal wegfahren. Und alle arbeiten außer mir. Das ist doch doof. Ich mach jetzt was. Phase zwei b: Hab mich beworben. Ich bin so toll. Jetzt darf ich auch nichts tun! Phase drei: Es reicht. Mir ist langweilig. Ich brauche was zu tun. Ich möchte einen Job haben. Ich möchte jetzt mal erwachsen sein!

Das hört sich jetzt alles ganz amüsant an, ist aber zwischendurch echt anstrengend. Da hilft es, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Und sich ins Gedächtnis rufen, dass "il dolce far niente" zwar ganz nett ist, aber einen in keiner Weise vorwärts bringt. Jetzt ist nicht die Zeit fürs Stehen bleiben.
Ich gebe mir Mühe, mich immer wieder daran zu erinnern, was ich denn eigentlich mit meinem Leben vor habe und was ich dafür brauche und was ich dafür tun muss. Und das Einzige, was ich jetzt gerade brauche, ist eine ordentliche Portion Geduld. Das Warten auf die Rückmeldungen zu Bewerbungen verlangt einem so einiges ab. Das Kopfkino ist dauernd an, man neigt dazu, Pläne zu schmieden, die sich so schnell noch gar nicht in die Wirklichkeit umsetzen lassen. So eine Rückmeldung kann, je nach Behörde, eine ganze Weile dauern.


Was macht man also in der Zeit, in der man ungeduldig wartet? Am Besten einfach genau das, was man auch schon vorher gemacht hat, nur dieses Mal mit einem guten Gewissen. Ich lenke mich also ab, schaue Serien, treffe mich mit Freunden und bilde mich weiter. Und übe mich darin, Geduld zu haben und darauf zu bauen, dass da schon was kommt.

Donnerstag, 25. Februar 2016

Fahr weg…


Es ist Frühjahr und ich bekomme wieder großes Fernweh und "wanderlust". Ob es nun die trübe Jahreszeit Winter ist, die diese Gefühle in mir auslöst, oder einfach der Drang, mal wo anders hin zu fahren - ich weiß es nicht.

In meinem Kopf habe ich so einige spannende Reisen geplant, die aber zur Zeit aufgrund meiner aktuellen Jobsituation noch warten müssen. Es macht trotz allem unglaublich Spaß, diese Reisen zum Beispiel beim Einschlafen zu planen. Dumm nur, dass man sich manchmal so in Rage und Aufregung träumt, dass man plötzlich hellwach und aufrecht im Bett sitzt um noch zwei Stunden lang sämtliche Fakten, Sehenswürdigkeiten, Touren etc zu recherchieren. Bye bye Schlaf. Aber das Leben kann nun mal nicht warten.

Mein nächstes großes Reiseziel wird Shanghai sein. Dort möchte ich liebe Freunde besuchen, die dort zur Zeit leben. Ich wollte schon immer mal nach China, also wann wenn nicht jetzt? Nun, dafür muss natürlich erst einmal das Geld da sein und dann kann man wirklich anfangen, den Plan in die Wirklichkeit umzusetzen.

Ein weiterer großer Traum ist, für einige Wochen nach Kalifornien zu reisen, Nationalparks zu besuchen, einige Städte zu bereisen und zum Abschluss auf das Coachella Festival zu gehen. Ich werde dort wahrscheinlich das Durchschnittsalter wieder deutlich anheben, aber das ist mir egal! "California Dreaming" nenne ich Phasen, in denen ich besonders oft an diese Reisepläne denke.


                                         Quelle: https://en.wikipedia.org/wiki/Coachella_Valley_Music_and_Arts_Festival#/media/File:Coachella_2012_weekend_2_day_2_sunset.jpg)


Auch in solchen Fällen der Träumerei kommt mir mein Optimismus sehr zugute - ich glaube ganz fest daran, dass ich es schaffe, diese Träume zu verwirklichen. Und mal ganz realistisch gesehen (igitt ^^): ich habe es ja in der Hand.

Also, weiter träumen, weiter planen und weiter daran arbeiten, dass sich was an der Jobfront tut, denn wofür arbeitet man, wenn nicht um Urlaub zu machen ;)

Jetzt geht es erstmal übers Wochenende nach Süd-Deutschland. Ich freue mich da schon wahnsinnig drauf. Ich liebe lange Zugfahrten, auf denen ich lesen, Musik hören und dabei aus dem Fenster schauen kann während sich mit der Zeit draußen die Landschaft verändert! Und ich liebe es, Menschen zu besuchen, die ich schon viel zu lange nicht gesehen habe. Also sitze ich hier jetzt ganz aufgeregt auf gepackten Sachen und kann es kaum erwarten, dass es los geht.


Emma

PS: Dieser Blogeintrag fand seine Inspiration in dem Song "Fahr weg" von Isolation Berlin (https://www.youtube.com/watch?v=5ySALumGR8k)

Mittwoch, 24. Februar 2016

Eigentlich müsste ...

Ich habe kürzlich in dem Blog eines lieben Freundes (http://doctorhilarius.blogspot.de/ - sehr empfehlenswert) sehr interessante Aspekte zum Thema glücklich sein und zum Thema "eigentlich müsste ich…" gelesen und habe mir mal meine eigenen Gedanken dazu gemacht.

Ich beobachte, nicht nur an mir sondern auch an vielen Menschen in meinem Umfeld, dass viele Sätze mit "Eigentlich", oder schlimmer "eigentlich müsste ich", begonnen werden. Dieses Wort oder diese Wortkette stellen sofort klar, dass etwas nicht läuft. Nicht so läuft, wie man es gerne hätte.

Eigentlich müsste ich viel mehr Bewerbungen schreiben.
Heißt, ich bewerbe mich, in meinen Augen, nicht genug. Aber sind das wirklich "meine Augen" oder nicht vielleicht die Augen unsichtbarer Nebenakteure, von denen ich mir einbilde, dass sie mich den ganzen Tag beobachten, mich bewerten und beurteilen? Diese Nebenakteure sind die Gesellschaft. Eine Gesellschaft, die erwartet, dass ich am besten schon im Kindergarten weiß, was ich werden will. Und zwar ganz konkret. Und das habe ich dann auch bitte durchzuziehen. Schule, Studium oder Ausbildung, und ab ins Berufsleben.

Tja, das funktioniert leider nicht. Ich weiß nicht, was ich im Kindergarten werden wollte. Ich weiß, dass ich irgendwann entschieden habe, Schriftstellerin werden zu wollen ("Schriftsetzerin" nannte ich es da ^^). Die Idee finde ich bis heute auch gut und werde sie auf jeden Fall im Kopf behalten, also einen Dank an die kleine Emma.
In der Schulzeit wollte ich so einiges werden. Jedenfalls erinnere ich mich nicht an einen konkreten Plan den ich hatte. In der Oberstufe habe ich dann irgendwann entschieden, Lehrerin werden zu wollen. Also habe ich Lehramt studiert. Bis zum Bachelor, dann war Schluss. Denn plötzlich stellte sich mir die Frage, warum ich denn Lehrerin sein wollte und vor mir fuhr ein Film ab, in dem ich Jahr für Jahr immer den gleichen Rotz unterrichten müsste.** 
Also tschüss Lehramt, hallo Welt der unbegrenzten begrenzten Möglichkeiten der Geisteswissenschaft. Ich werde jetzt gar nicht zu tief in die Problematik der Jobfindung eines/einer Geisteswissenschaftlers/*in gehen, das würde hier zu weit führen. Nur eins: ja, es ist nicht einfach. Aber das ist auch immer personengebunden.
Und nun sind wir wieder bei dem "eigentlich müsste ich". Eigentlich müsste ich viel mehr Bewerbungen schreiben. Eigentlich müsste ich tagtäglich sämtliche Internetseiten abklappern, denn eigentlich müsste ich doch so schnell wie möglich was an meiner momentanen Situation ändern. Und da kommen wir zum Sahnehäubchen des "eigentlich müsste ich":

"Eigentlich müsstest DU doch…"

Wunderbar. Es ist ja nicht genug, dass man sich selber tagtäglich mit dem "eigentlich müsste ich" auseinandersetzt, nein, dann kommt manchmal von außerhalb so ein Satz angeflogen. Ich finde diesen Satz furchtbar. Gleichzeitig bin ich mir sicher, dass ich ihn auch schon benutzt habe und das macht es nicht besser. "Eigentlich müsstest Du doch" soll wahrscheinlich als Motivator agieren. Der Gedanke der mir da kommt ist der folgende: Wenn ich nun regelmäßig diesen Satz mir gegenüber äußerte und dazu noch andere ihn mir gegenüber äußerten, dann bin ich plötzlich so motiviert, etwas an meiner misslichen Lage zu ändern, dass ich es auch tatsächlich tue und schaffe.

Zur Zeit ist dies aber nicht der Fall. Und dazu schaut man sich das Symptom des Satzes an: "Eigentlich müsste/st ich/Du" sagt, da läuft was schief, du bist unglücklich.
Das bin ich aber nicht. Ich bin, und das kann ich tatsächlich so sagen: glücklich.
Die Wurzel des Glücklichseins befindet sich bei mir nicht darin, was ich mache, sondern wer oder was und wie ich bin. Und auch wenn die Suche nach dem Ich eine unaufhörliche ist, man nie ganz "fertig" sein wird, so kann ich jetzt für mich nicht sagen, dass ich unglücklich bin.
Ich könnte hier eine ganze Liste runter rattern mit Dingen, die noch nicht so richtig laufen, Dingen, die ich gerne ändern würde, aber die haben nichts mit MIR, mit meinem ICH zu tun. Sie tragen grundsätzlich dazu bei, ja, aber sie beeinflussen weder wie ich bin, noch wer ich bin.

Um das ganze jetzt mal abzuschließen: natürlich werde ich mich weiter mit "eigentlich müsste ich" quälen und natürlich werde ich weiter ab und zu mit dem "eigentlich müsstest du" konfrontiert werden. Das ist nun mal so. Das lässt sich nicht abstellen. Wichtig ist dabei, sich immer wieder zwischendurch zu fragen "wie geht es mir? bin ich glücklich?" - denn dann lässt es sich mit diesen Sätzen sehr viel leichter umgehen. Zu dem "eigentlich läuft alles"-Problem kommen wir dann ein anderes Mal ;)


Emma

** Dies ist keine Abwertung an den Lehrerberuf. Ich habe den höchsten Respekt vor Lehrer*innen und bin froh, dass es in dieser furchtbaren Bildungslandschaft noch Leute wie euch gibt, die ihren Job so gut machen! Ich rede hier nun von mir und meinem Empfinden, was weder mit anderen, noch so recht mit zutreffenden Fakten zu tun hat. Es war ja nur eine Vision!