Hier kommt Teil
zwei zum Thema "Gedankenhaus". Und damit es nicht langweilig wird,
geht es nicht mit der mittleren Etage weiter, sondern mit dem Erdgeschoss.
Erdgeschoss - Mut zum Selbst
Ein weiterer
Nebeneffekt des arbeitslos Seins ist, dass man natürlich auch viel Zeit hat,
über sich selbst nachzudenken. Das kann, je nach Befinden, zu einem guten oder
schlechten Selbstgefühl führen.
Zur Zeit denke
ich viel über meine persönliche Entwicklung in den letzten Jahren nach. Was hat
sich bereits geändert, woran muss ich noch arbeiten und so weiter. Ich habe
festgestellt, dass ich in den letzten Jahren wieder ein bisschen mehr zu mir
selbst gefunden habe. Ich habe gelernt, mich auf meiner Prioritäten-Skala ganz
oben anzusiedeln. Das sage ich jetzt so selbstbewusst und -bestimmt, aber der
Weg, es so zu sehen ist lang und ich bin noch lange nicht dort angekommen. Aber
ich möchte dort hin kommen und arbeite aktiv daran. Es gibt eine Theorie, dass
sich der Körper alle 7 Jahre rundum erneuert. Wäre dem tatsächlich so, wäre ich
nun seit fast zwei Jahren in Phase vier. Und vielleicht passt das auch ganz
gut. Ich stelle fest, dass ich mittlerweile mit manchen Dingen sehr viel besser
umgehen kann als noch vor ein paar Jahren.
Der "Mut
zum Selbst" beinhaltet für mich ganz besonders die Liebe für sich selbst.
Das mag jetzt kitschig klingen, ist aber – für mich – ausschlaggebend für mein
Verhalten. Wir Menschen neigen dazu, unzufrieden mit uns zu sein, ganz
besonders was unser Aussehen betrifft. Es gibt Dinge, die wir an uns nicht
schön finden und die wir gerne anders hätten. Das ist auch völlig in Ordnung
so, denn nur dadurch lernen wir, zu reflektieren und uns mit uns selbst
auseinander zu setzen. "Erkenne dich selbst", so to speak. Nur, wer
da gerade das Spiegelbild beurteilt, ist von höchster Wichtigkeit. Denn was ich
beobachte ist, dass unsere Gesellschaft ein bestimmtes Bild hat, wie man als
"normaler Mensch" (ich hasse!!! diesen Ausdruck) zu sein hat,
auszusehen hat und zu handeln hat. Wer davon abweicht, ist, nach dieser Theorie
zu urteilen, "unnormal" und "muss sich ändern".
Ich glaube nicht
daran. Und ich möchte auch kein "normaler oder unnormaler Mensch"
sein. Ich möchte in erster Linie ein glücklicher Mensch sein und was mich
glücklich macht, habe ich in der Hand und nicht die Gesellschaft. Ich möchte in
keiner Schublade stecken.
Denn, nur mal
aus Jux, machen wir das doch mal:
Ich bin demnach
das: eine weiße, kurvige, heterosexuelle Frau, die noch nicht verheiratet ist,
keine Kinder hat und zur Zeit noch nicht einmal einen Job hat.
Die Punkte, die
man also hier bemäkeln könnte wären, dass ich nicht das Aussehen und die Figur
einer "normalen Frau" habe, dass ich mit fast dreißig immer noch
nicht verheiratet bin, keine Kinder und keinen Job habe.
Und hier kommt
jetzt meine Sicht:
Ich bin ein
Mensch. Ich bin queer. Ich mag meine Figur. Ich möchte nicht heiraten. Ich
möchte keine Kinder. Ich möchte arbeiten.
Würde ich mich
nach gesellschaftlichen Richtlinien beurteilen, müsste ich jetzt irgendwo in
einer Ecke sitzen und weinen. Das tue ich aber nicht. Ich habe gelernt – und
das war ein langer Weg – mich mit meinen eigenen Augen zu beurteilen. Mein
Bestreben ist es in diesem Leben, glücklich zu sein. Das bedeutet, dass ich
alles dafür tun möchte um glücklich zu sein. Oder anders, dass ich mir über die
Dinge klar werde, die mich glücklich machen.
Ich bin noch
lange nicht an diesem Punkt angelangt, aber ich bin auf dem Weg dahin und es
ist ein gutes Gefühl, sich mit sich selbst zu beschäftigen und bei sich selbst
anzukommen.
Gefährlich wird
es bei mir, wenn mein Blick zu sehr und zu weit in die Vergangenheit wandert. Ich
habe vor kurzem mit einem Freund genau über diesen Punkt gesprochen und um es
uns einfacher zu machen, einander zu verstehen, haben wir das ganze mal visualisiert.
Ich habe dafür das Metronom benutzt.
(Ursprüngliche Quelle des Bildes: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/6/69/Wittner_metronome.jpg
)
Ein Metronom
gibt den Takt an. Der Takt-Zeiger schwingt, wie ein Pendel, nach rechts und
links. Den Takt – das Tempo – bestimmt derjenige, der es bedient. In der
"Ruhephase" steht der Zeiger in der Mitte und das Metronom gibt
keinen Laut von sich. Diesen Zustand nenne ich, wenn wir das Metronom nun als
Metapher für unser Leben benutzen, die Gegenwart, das Jetzt und Hier. Der
Mensch lässt sich nun durch zwei unterschiedliche Möglichkeiten im Leben
antreiben. Entweder durch den Blick in die Vergangenheit oder den Blick
Richtung Zukunft.
Bei dem
Menschen, der in die Vergangenheit blickt, schlägt das Metronom nun nach links
aus. Dieser Mensch verlässt sich aufgrund seiner Erfahrungen in der
Vergangenheit darauf, dass seine Zukunft entweder ähnlich verläuft (positive
Erfahrungen) oder anders verläuft (negative Erfahrungen). Entweder seine
Erfahrungen haben ihn/sie bestärkt (positiv) oder auch ein bisschen unsicher
oder vorsichtig gemacht (negativ). Hier sei festgehalten, dass es sich um
Beobachtungen handelt, die keinesfalls beurteilend gemeint sind.
Bei dem
Menschen, der in die Zukunft blickt, schlägt das Metronom nach rechts aus.
Dieser Mensch hat mit der Vergangenheit abgeschlossen und möchte nach vorne
schauen. Auch hier wieder: kein Urteil, nur eine Beobachtung.
Ich glaube, dass
in den meisten Fällen das Metronom genau so tickt, wie es soll. Denn es kann
nicht nur in eine Richtung schwingen. Es muss nach links schwingen um nach
rechts zu kommen. Das bedeutet im übertragenen Sinne, dass bei uns wohl auch
mal der Blick in die Vergangenheit hilft, um in der Gegenwart klar zu kommen
und positiv Richtung Zukunft gehen zu können. Die Frequenz des
"Zurückschauens" ist aber dem Menschen selbst überlassen.
Ich gehöre zu
den Menschen, die noch häufig den Blick Richtung Vergangenheit lenken. Ich
wünsche mir aber, dies mit der Zeit etwas weniger zu tun. Denn natürlich
definiert uns die Mischung aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, aber man
sollte den Großteil seiner Zeit im Hier und Jetzt verbringen und nicht zu sehr
im "was war" und "was sein wird". So sehe ich es zumindest.
So. Dieser
Eintrag war lang. Vielleicht war er ein bisschen wirr ("all over the
place"), aber ich erwähnte ja bereits, dass in meinem Kopf gerade viel los
ist. Wer Fragen dazu hat, darf mich gerne anschreiben. Ich habe längst nicht
alles gesagt, was ich sagen wollte, aber man muss auch irgendwann mal ein Ende
finden und das ist hier.

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen