Dienstag, 29. März 2016

Gedankenhaus Teil Zwei

Hier kommt Teil zwei zum Thema "Gedankenhaus". Und damit es nicht langweilig wird, geht es nicht mit der mittleren Etage weiter, sondern mit dem Erdgeschoss.

Erdgeschoss - Mut zum Selbst

Ein weiterer Nebeneffekt des arbeitslos Seins ist, dass man natürlich auch viel Zeit hat, über sich selbst nachzudenken. Das kann, je nach Befinden, zu einem guten oder schlechten Selbstgefühl führen.
Zur Zeit denke ich viel über meine persönliche Entwicklung in den letzten Jahren nach. Was hat sich bereits geändert, woran muss ich noch arbeiten und so weiter. Ich habe festgestellt, dass ich in den letzten Jahren wieder ein bisschen mehr zu mir selbst gefunden habe. Ich habe gelernt, mich auf meiner Prioritäten-Skala ganz oben anzusiedeln. Das sage ich jetzt so selbstbewusst und -bestimmt, aber der Weg, es so zu sehen ist lang und ich bin noch lange nicht dort angekommen. Aber ich möchte dort hin kommen und arbeite aktiv daran. Es gibt eine Theorie, dass sich der Körper alle 7 Jahre rundum erneuert. Wäre dem tatsächlich so, wäre ich nun seit fast zwei Jahren in Phase vier. Und vielleicht passt das auch ganz gut. Ich stelle fest, dass ich mittlerweile mit manchen Dingen sehr viel besser umgehen kann als noch vor ein paar Jahren.
Der "Mut zum Selbst" beinhaltet für mich ganz besonders die Liebe für sich selbst. Das mag jetzt kitschig klingen, ist aber – für mich – ausschlaggebend für mein Verhalten. Wir Menschen neigen dazu, unzufrieden mit uns zu sein, ganz besonders was unser Aussehen betrifft. Es gibt Dinge, die wir an uns nicht schön finden und die wir gerne anders hätten. Das ist auch völlig in Ordnung so, denn nur dadurch lernen wir, zu reflektieren und uns mit uns selbst auseinander zu setzen. "Erkenne dich selbst", so to speak. Nur, wer da gerade das Spiegelbild beurteilt, ist von höchster Wichtigkeit. Denn was ich beobachte ist, dass unsere Gesellschaft ein bestimmtes Bild hat, wie man als "normaler Mensch" (ich hasse!!! diesen Ausdruck) zu sein hat, auszusehen hat und zu handeln hat. Wer davon abweicht, ist, nach dieser Theorie zu urteilen, "unnormal" und "muss sich ändern".
Ich glaube nicht daran. Und ich möchte auch kein "normaler oder unnormaler Mensch" sein. Ich möchte in erster Linie ein glücklicher Mensch sein und was mich glücklich macht, habe ich in der Hand und nicht die Gesellschaft. Ich möchte in keiner Schublade stecken.
Denn, nur mal aus Jux, machen wir das doch mal:
Ich bin demnach das: eine weiße, kurvige, heterosexuelle Frau, die noch nicht verheiratet ist, keine Kinder hat und zur Zeit noch nicht einmal einen Job hat.
Die Punkte, die man also hier bemäkeln könnte wären, dass ich nicht das Aussehen und die Figur einer "normalen Frau" habe, dass ich mit fast dreißig immer noch nicht verheiratet bin, keine Kinder und keinen Job habe.
Und hier kommt jetzt meine Sicht:
Ich bin ein Mensch. Ich bin queer. Ich mag meine Figur. Ich möchte nicht heiraten. Ich möchte keine Kinder. Ich möchte arbeiten.
Würde ich mich nach gesellschaftlichen Richtlinien beurteilen, müsste ich jetzt irgendwo in einer Ecke sitzen und weinen. Das tue ich aber nicht. Ich habe gelernt – und das war ein langer Weg – mich mit meinen eigenen Augen zu beurteilen. Mein Bestreben ist es in diesem Leben, glücklich zu sein. Das bedeutet, dass ich alles dafür tun möchte um glücklich zu sein. Oder anders, dass ich mir über die Dinge klar werde, die mich glücklich machen.
Ich bin noch lange nicht an diesem Punkt angelangt, aber ich bin auf dem Weg dahin und es ist ein gutes Gefühl, sich mit sich selbst zu beschäftigen und bei sich selbst anzukommen.

Gefährlich wird es bei mir, wenn mein Blick zu sehr und zu weit in die Vergangenheit wandert. Ich habe vor kurzem mit einem Freund genau über diesen Punkt gesprochen und um es uns einfacher zu machen, einander zu verstehen, haben wir das ganze mal visualisiert. Ich habe dafür das Metronom benutzt.


(Ursprüngliche Quelle des Bildes: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/6/69/Wittner_metronome.jpg )

Ein Metronom gibt den Takt an. Der Takt-Zeiger schwingt, wie ein Pendel, nach rechts und links. Den Takt – das Tempo – bestimmt derjenige, der es bedient. In der "Ruhephase" steht der Zeiger in der Mitte und das Metronom gibt keinen Laut von sich. Diesen Zustand nenne ich, wenn wir das Metronom nun als Metapher für unser Leben benutzen, die Gegenwart, das Jetzt und Hier. Der Mensch lässt sich nun durch zwei unterschiedliche Möglichkeiten im Leben antreiben. Entweder durch den Blick in die Vergangenheit oder den Blick Richtung Zukunft.
Bei dem Menschen, der in die Vergangenheit blickt, schlägt das Metronom nun nach links aus. Dieser Mensch verlässt sich aufgrund seiner Erfahrungen in der Vergangenheit darauf, dass seine Zukunft entweder ähnlich verläuft (positive Erfahrungen) oder anders verläuft (negative Erfahrungen). Entweder seine Erfahrungen haben ihn/sie bestärkt (positiv) oder auch ein bisschen unsicher oder vorsichtig gemacht (negativ). Hier sei festgehalten, dass es sich um Beobachtungen handelt, die keinesfalls beurteilend gemeint sind.
Bei dem Menschen, der in die Zukunft blickt, schlägt das Metronom nach rechts aus. Dieser Mensch hat mit der Vergangenheit abgeschlossen und möchte nach vorne schauen. Auch hier wieder: kein Urteil, nur eine Beobachtung.
Ich glaube, dass in den meisten Fällen das Metronom genau so tickt, wie es soll. Denn es kann nicht nur in eine Richtung schwingen. Es muss nach links schwingen um nach rechts zu kommen. Das bedeutet im übertragenen Sinne, dass bei uns wohl auch mal der Blick in die Vergangenheit hilft, um in der Gegenwart klar zu kommen und positiv Richtung Zukunft gehen zu können. Die Frequenz des "Zurückschauens" ist aber dem Menschen selbst überlassen.
Ich gehöre zu den Menschen, die noch häufig den Blick Richtung Vergangenheit lenken. Ich wünsche mir aber, dies mit der Zeit etwas weniger zu tun. Denn natürlich definiert uns die Mischung aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, aber man sollte den Großteil seiner Zeit im Hier und Jetzt verbringen und nicht zu sehr im "was war" und "was sein wird". So sehe ich es zumindest.


So. Dieser Eintrag war lang. Vielleicht war er ein bisschen wirr ("all over the place"), aber ich erwähnte ja bereits, dass in meinem Kopf gerade viel los ist. Wer Fragen dazu hat, darf mich gerne anschreiben. Ich habe längst nicht alles gesagt, was ich sagen wollte, aber man muss auch irgendwann mal ein Ende finden und das ist hier.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen